Preussenbiker-Wochentour 2004

vom 19.bis 30. Mai in die Slowakei


Mittwoch bis Sonntag


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Mittwoch, 19. Mai:

Die letzten Tage und Wochen waren wie jedes jahr im Schneckentempo gekrochen, der Mai liess sich wie immer mit seinem Erscheinen Zeit Aber endlich, der ersehnte Tag vor Himmelfahrt - ab in den Sueden.bild Die Tour sollte dieses Jahr in die Slovakei, in die Naehe der hohen Tatra fuehren, im letzten September hatte ich ja schon mal eine Aufklaerungsrunde gedreht.. Wie immer hatte es auch in diesem Jahr wieder eine intensive Internetvorbereitung gegeben und es hatten sich auch einige Teilnehmer angesagt, wenn auch immer nur fuer eine Teilzeitteilnahme.

Schulle konnte in diesem Jahr erst 3 Tage spaeter nachkommen, Ilona und Klaus musste ganz absagen, ein neuer Job forderte seine Zeit. Dafuer wollte ich mich mit Lonely, einem Ruhrpottbiker, am ersten Tag in Melnik treffen und dann einige Tage zusammen fahren. Obwohl sich aus dem Berliner Raum niemand weiter gemeldet hatte war der Tourstart und Treffpunkt wie immer auf 9 Uhr in der Frueh an der Spinnerbruecke festgelegt. Natuerlich war ich, vollgepackt und ausgeschlafen, eine Viertelstunde vorher am Treffpunkt und konnte noch einen Kaffee schluerfen. natuerlich kam niemand mehr, und ich machte mich 5 nach 9 auf den Weg.

Fuer den ersten Tag hatte ich nur ein kurzes Stueckchen vor mir, bis nach Melnik ist es ja nun nur ein Katzensprung. Auf der Autobahn gings bis kurz vor Dresden, und dann per Landstrassen auf der Strecke, die wir in den Vorjahren schon oefters gefahren waren, ueber Stolpen und Hohenstein quer durch die Saechsische Schweiz an die Elbe nach Schoena. Mal sehen, wie sich der Grenzuebertritt einen halben Monat nach dem EU-Beitritt der Tschechen gestaltet. Es gab keine Schlange an der Grenze, trotzdem musste ich den Pass vorzeigen, nach einem kurzen Blick konnte ich dann aber passieren. Immer an der Elbe entlang, auch diese Srecke ist inzwischen fast schon als Hausstrecke zu bezeichnen, ging es ueber Usti nach Litomerice. Kurz vorher allerdings eine Umleitung, der Weg fuehrte von der Elbe weg direkt in die Berge. Ziemlich enge Wege lernte ich hier kennen, man sollte es nicht glauben, aber es gibt auch Umleitungen, die Spass machen .... wenn man die entsprechende Zeit zur Verfuegung hat und von nix ausser der leichten Sehnsucht nach einem Feierabendbierchen getriebgen wird. Diese Sehnsucht war aber noch nicht uebermaechtig, sodass ich den Weg durchaus geniessen konnte.

Kurz nach Litomerice, es war so gegen 14 Uhr, nachm ich das erste mal Kontakt zu Lonely auf. Er war erst am spaeten Vormittag von Duesseldorf aufgebrochen und hatte wirklich schon anstaendig Kilometer gemacht, war schon irgendwo bei Erfurt. Ich selbst hatte nur noch an die 20 Kilometer bis Melnik vor mir und es kostete mich wirklich Muehe, bei meiner langsamen Fahrweise nicht unzukippen. Trotzdem war ich gegen 16 Uhr in Melnik, der Campingplatz selbst befindet sich mitten in der Stadt und war schnell gefunden. bild Obwohl nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt - hier sprach man an der Rception nicht deutsch. Trotzdem kein Problem, mit Haenden und Fuessen konnte ich mich verstaendlich machen. Lonely hatte mich ueberzeugt, fuer diese eine Nacht kein Zelt aufzubauen sondern eine Huette zu mieten - das war genauso teuer. Ich mietete mich also in einem groesseren Bierfass ein, welches eigentlich fuer 2 Personen vorgesehen war. Als ich allerdings mein Gepaeck abgeladewn hatte war die Huette voll. Obwohl der Platz noch recht leer war reservierte ich unter grossen Schwierigkeiten auch fuer Lonely noch eine Huette, die Maedels am Empfang konnten wirklich nicht einsehen, wozu ich noch ein zweites Haus brauchte. Aber irgendwie klappte es, und es erwies sich als eine gute Idee. Im Laufe des Nachmittags, den ich zum grossen Teil in der platzeigenen Kneipe verbrachte, fuellte sich der Platz noch ganz nett - Himmelfahrt war ja schliesslich am naechsten Tag. Eine kurze Runde noch durchs Zentrum von Melnik, dann war auch schon Lonely in der Anfahrt, gegen 8 kam er unter lautem Tuten um die Ecke geknattert. Ich dachte bisher immer, ich schleppe zu viel mit - aber er hatte wirklich hoch gestapelt. Tausende von Riemchen und Schnallen hielten seinen Gepaeckberg zusammen, vom Edelstahlkochtopf bis zum Softballspiel. Den Schminkkoffer konnte man nicht sehen, aber den hatte er auch dabei. Fuer die Passage der slowakischen Grenze sollte ich ihm die slowakische Flagge ins Gesicht malen, gluecklicherweise kam es dann nicht dazu: der Schminkkoffer war unter zu viel Gepaeck begraben.
Den restlichen Abend, der nicht mehr allzulange dauerte, beendeten wir bei einigen Bier und in Gesellschaft einer Himmelfahrts-Ausflugsrunde aus Deutschland.


Donnerstag, 20. Mai:

Gegen 6, irgendwie war mir so als ob ich ein wenig Fluessigkeit entsorgen muesste, bild verliess ich die Huette .... mit der festen Absicht, noch ein Stuendchen auszuschlafen. Ein Blick ans Ende der Huettenreihe belehrte mich, dass ich das wohl vergessen koennte. Lonely war schon in fast vollen Montur dabei, seinen Gepaeckhaufen aufzuzurren. Lautstark groelte er dabei " Eins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben .... " vor sich hin. Im benachbarten Hotel schauten erst einige sehhhhhr erboste Gesichter heraus, dann hoerte man nur noch Fenster zuknallen, sie hatten wohl erkannt, dass Protest nur noch heftigere Gesangesausbrueche provozieren wuerde.
Gegen 8, Lonely hatte noch Kaffee in der Thermoskanne und ich noch nen halben Kuchen in der Satteltasche, knatterten wir vom Hof. Wir hatten abgemacht, auf die Kultur am Wegesrand zu verzichten und in einem Ritt bis in die Slowakei nach Slovenski Rai durchzubrettern. Um Kilometer zu machen fuhren wir bis hinter Brno auf der Autobahn ein zuegiges Tempo. Auch hier gingen wir keine Kompromisse ein, wir folgten der E50 bis Poprad. Die Strasse war gut ausgebaut und man konnte wirklich zuegig fahren.

In den Ortschaften war an diesem Tag eine unanstaendig auffaellige Praesenz von gruenen Maennern zu beobachten, wir kamen allerdings immer ohne Probleme durch. Tag der Verkehrssicherheit oder soetwas wirds wohl gewesen sein. 100 km vor dem Ziel meldeten wir uns auf den Campingplatz an - bei Sylvie und Micha. Die Beiden, ebenfalls ein Bekanntschaft aus dem Internet in Vorbereitung der Tour entstanden, waren am Morgen aus Bratislava aufgebrochen. Gesehen hatten wir uns noch nie, aber aus den Mails war schon eine gegenseitige Sympathie entstanden. Sie waren schon eingetroffen und hatten bereits eine Huette bezogen. Eine Stunde spaeter trafen auch wir ein, die Dragstar war schnell gesichtet. Was issn das fuer ein komisches Kennzeichen? Gelbe Schrift auf blauem Grund - nie gesehen. "Naaa, wir sind in Bratislava in der deutschen Botschaft beschaeftigt ..." Geil, ne Dragstar mit Diplomatenkennzeichen - Wahnsinn.
Lonely bezog die andere Haelfte der Doppelhuette. Ich selbst baute einige Meter weiter mein Zelt auf, eine riesige Wiese gehoerte mir ganz allein. Ein paar Flaschen Bier noch aus dem kleinen Laden am Platz geholt, und der Abend war mit ein wenig Mucke aus dem Reisewecker und einem kleinem Taenzchen gesichert.


Freitag, 21. Mai:

Der Tag fing recht freundlich, aber auch recht kuehl an, eine Tendenz, die sich in den naechsten Tagen noch verstaerken sollte. bild Lonely versuchte am Morgen, der Fruehstueckskaffee auf dem Benzinkocher zu bruehen, allerdings spielte der Kocher nicht so recht mit. Nachdem eine riesige Flamme den Kocher unserem Zugriff entzogen hatt flog er erstmal ins Gras. Eine Reparatur der Brennerduesen brachte dann aber den gewuenschten Efolg, eine kontrollierte Flamme und uns den ersehnten Kaffee, auch wenn die Art der Zubereitung eher als .... ungewoehnlich bezeichnet werden darf.
Nach dem Fruehstueck packte Lonely seine Sachen, den ganzen Haufen wieder zusammengeschnuert, obenauf das Saftballspiel. Es zog ihn weiter, eigentlich wollte er am naechsten Tag ja noch die geplante Bikerhochzeit mitmachen, aber ...... tja. bild Wir verabschiedeten uns von ihm und machten uns selbst auch fertig, eine kleine Tour zu unternehmen. Als erstes musste ich an Landeswaehrung kommen, meine Reserven aus der letzten Tour hatte ich dleich bei der Ankunft fuer die Bezahlung des Campingplatzes verbraucht. Das erste Ziel war also Levoca, nur 15 km entfernt. Allerdings ging es bereits nach 5 km los, es goss wie aus Eimern. Also erstmal eine kleine Pause und bei einer Tankstelle angehalten. Der Regenschauer war nur kurz, und wir entschlossen uns, die Tour fortzusetzen, obwohl der Himel nicht unbedingt nach Sommerwetter aussah.
Die Strasse nach Levoca war gut zu fahren, einge nette Kurven, Berg und Tal, aber feucht. Und kaum hatten wir den historischen Markt von Levoca erreicht, den Bankautomaten ausfindig gemacht und die Moppeds abgestelt ging auch schon der naechste Wolkenbruch herunter. Wir konnten uns gerade noch so in ein Cafe retten, trotzdem hatten uns die paar Meter unter freiem Himmel schon ein wenig eingeweicht. Sylvie und Micha hatten Hunger bekommen, ich selbst hatte noch ein wenig unter den Auswirkungen der letzten Nacht zu laborieren. Eine leichte Krautsuppe erwies sich aber als gute Medizin, und als die Suppe gegessen und bezahlt war hatte auch der Regen nachgelassen und der Himmel erschien in strahlendem Blau. Kohle war gebunkert und wir setzten unsere Tour fort. Einen grossen Bogen in Seudoestliche Richtung wollten wir fahren. Dabei lag die Zipser Burg als naechste Station direkt am Weg. Es ging steil nach oben, zwar war auf der halben Hoehe des Berges die Weiterfahrt nicht mehr gestattet, aber ..... wir konnten ja kein slowakisch. Auf schmalem Weg also bis zum Burgtor, wo dann allerdings endgueltig Schluss war. Ein Burgfreulein verwehrte uns kategorisch die Weiterfahrt, und auch ein kurzer Disput brachte nichts. Unsere kulturelle Wissbegier hielt sich in Grenzen, den ganzen Weg nochmal zu Fuss nach oben - lieber nicht, und wir knatterten den Weg wieder nach unten. Wenige Kilometer weiter dann der naechst Kulturschock: Am Strassenrand eine Zigeunersiedlung. Aus Bahnschwellen und Wellblech waren da Huetten zusammengezimmert - unbeschreiblich. Das Leben spielte sich zum grossen Teil auf der Strasse ab.
Direkt gegenueber auf der anderen Seite der Strasse das genaue Gegenteil - eine neue Siedlung, weisse Hauser, aus der Ferne noch recht aufgeraeumt. Bei naeherem Hinsehen allerdings waren auch hier schon die ersten Holz- und Wellblechanbauten zu erkennen, nicht mehr lange und auch hier wuerde es aehnlich aussehen wie gegenueber, der Anfang war bereits getan ......

bild Die weitere Tour fuehrte uns durch eine wirklich schoene Landschaft, Waelder, Fluesse, und auch das Wetter hatte sich gefangen. Nur die Strasse liess dann doch stark nach, abseits der Hauptreiserouten ist es dann doch nicht mehr so weit mit dem Belag her. Zum Teil musste man um kraeftige Loecher herumkurven, was unsere Durchschnittsgeschwindigkeit natuerlich stark drueckte.
Allerdings hatten wir es auch nicht gerade eilig und etwas nach 5 waren wir wieder auf dem Platz. Dunkle Wolken hatten schon wieder Feuchtigkeit von oben angekuendigt und bald gings auch los. Trotzdem fuhr ich mit dem Mopped nochmal schnell in den Wald, um einige Aeste fuer das abendliche Lagerfeuer zu sammeln. Das Holz war feucht, aber aus dem Vorjahr wusste ich ja noch: Wasser kann brennen. Einen grossen Ast und etwas Kleinholz hinten angebunden, das sollte fuer ein kleines Feuerchen reichen.
Das Wetter war nicht besser geworden, wir zogen zum Abendessen also in die Kneipe, Grillen waere nicht wirklich eine gute Idee gewesen. Der Kellner war auch noch der gleiche wie im letzten September - gelangweilt und cool. Aber er war recht flott. 2 Stunden liessen wir uns hier schon Zeit, dann wollten wir endlich unsere Aeste verfeuern. Allerdings war aus dem Regenschauer ein echter Dauerregen geworden und unter freiem Himmel .... Allerdings waren auf dem Platz 2 grosse ueberdachte Feuerstellen aufgebaut, mit Baenken, wo man gut und trocken sitzen konnte. Aneiner dieser Stellen sassen schon 3 Leute, Oesterreicher, wie man aus der Unterhaltung erkennen konnte. SWylvie und ich schnappten also einige Flaschen Bier und den groessten Ast als Gastgeschenk und trollten uns dahin. "Hi, wir wuerden uns gern mit ransetzen, haben auch paar Bier und etwas Holz mitgebracht"
"HM, aehhhhhh, aaaalso, wir soan ja a homogene Gruppe, und da kommen auch noch paar Leute, ist eigentlich gar kein Platz mehr so richtig hier, und ausserdem .... Euer Holz is ja auch nass ....."

Ich spuerte einen dicken Kloss in mir aufsteigen, Sylvie wollte gerade noch etwas sagen, da hatte ich sie schon untergehakt und weggezerrt, sonst waer ich dort vielleicht durchs Dach gegangen. Micha wollte ein paar Minuten spaeter nachkommen und war erstaunt, uns so schnell wiedderzusehen. Ich erzaehlte ihm die Story und sah auch bei ihm die Halsschlagadern anschwellen. Ehe ich ihn zurueckhalten konnte war er auch schon dort und brachte seine Meinung zum Ausdruck. Sowas hatte ich bisher aber auch noch nie erlebt, bisher freute sich auf nem Campingplatz noch jeder, jemanden kennenzulernen und ein paar Worte zu wechseln. Aber es gibt wohl Ausnahmen.

Michas Worte mussten wohl gewirkt haben, nach 10 Minuten kam einer von der Truppe zu uns rueber, wir sollten doch rumkommen, waere ja nicht so gemeint gewesen. Ich musste mich gleich wegdrehen und Micha erklaerte auf diplomatischem Wege, dass wir doch dankend ablehnten.
Wir zogen zur 2. Feuerstelle, an der ein tschechisches Paerchen seine Wuerste briet und hatten noch einen schoenen Abend.


Samstag, 22. Mai

bild Fuer heute Abend war eine Bikerhochzeit angekuendigt. Ueber das Internet hatte ich Virago, einen Biker aus dem Poprader Motorradclub kennengelernt. Im letzten Jahr hatte es mit einem Treffen nicht geklappt, aber fuer dieses Jahr sollte es nun endlich werden. Eigentlich wollten sie mit einigen Leuten auf den Campingplatz kommen, am Vormittag eine kleine Tour und am Abend eine Grillfete. Der Plan wurde allerdings verworfen, vor einigen Tagen hatte Eros, ein Clubmitglied, geheiratet, und wir waren eingeladen. Logisch, dass man sich soetwas nicht entgehen lassen kann. Auch Schulle sah das so, eigentlich wollte er am Samstag frueh in Berlin losfahren und mit einer Zwischenuebernachtung am Sonntag ankommen. Als ich ihm von der Party berichtet hatte warf er seinen geruhsamen Plan fuer einen neuen um: Samstag frueh los, und in einem Gewaltritt von schlappen 800 km durch Polen bis in die Tatra.
Aber bis dahin waren es noch einige Stunden, erstmal galt es zu fruehstuecken. Die Platzkneipe sollte 8 Uhr oeffnen, das durchgehende Regengeraeusch liess uns sowieso nicht vorher aufstehen und so standen wir puenktlich 20 nach 8 vor der Kneipe. Vor! Die hatte naemlich nicht auf. Durch einen Tuerspalt konnten wir allerdings sehen, dass die Kueche besetzt war. Sicher wird jeden Augenblick der Schluessel rumgedreht. Der Blick durch die Tuerritze funktionierte in beide Richtungen, auch in der Kueche hatte eine .... aehh, nicht duenne..... Koechin uns erblickt und stand auf. Ahhhh, jetzt also. Neeee, sie machte nur die Kuechentuer zu, jetzt konnten wir sie und sie uns nicht mehr sehen, so war ihr jedenfalls wohl geholfen.
Nach einem kurzen Augenblick der Fassungslosigkeit stiegen wir auf die Moppeds, es goss immer noch recht intensiv, und fuhren etwas an die 800 Meter bis zum Hotel Slowenski Rai. Ein wirklich guter Entschluss. Etwas durchnaesst betraten wir das Haus und wurden direkt an unsere Plaetze gefuehrt. Ein tadelloser Service, gepflegte Atmosphaere, und die Preise waren kaum hoeher als auf dem Campingplatz.
Virago hatte schon angekuendigt, dass es mit der geplanten Tour wohl nix werden wurde, einmal des ueblen Wetters wegen, und zum Zweiten hatte er sein Mopped in den letzten Tagen leider, wenn auch zu einem guten Preis, verkaufen muessen. Umzug, neue Wohnung, Heirat - die bekannten Gruende. (PS: Inzwischen is es Ende Juli, er heiratet in wenigen Tagen und hat inzwischen doch auch wieder eine neue Maschine, eine Dragstar) Wir hatten uns im Hotel mit Virago verabredet, und bald tauchten er und Mischka, seine Freundin auch auf. Mit Auto eben. Wir btranken noch einen Kaffee, und dann fuhren wir - ohne vorherige Tour - direkt zum Partyplatz. Es war ein groesserer Bauernhof, mit Pension, einigen Zimmern und Partysaal. Wir machten die Zimmer klar, es sind wirklich nur kleine Preise, und zogen erstmal in die Kneipe. Wir waren fast die Ersten, klar, die Party sollte ja erst am Abend steiegn, und jetzt wars .... 12 ? Aber um diese Zeit kann man allemal ein Bierlein vertragen, noch dazu, wenn die Luft so mit Wasser verduennt ist und man keinen Kilometer mehr fahren muss - naja, fast keinen, irgendwann musste ich ja Schulle noch abholen ......
bild Inzwischenn trafen auch immer mehr Biker ein, das Brautpaar war da, Bruder, Freunde. Die Verstaendigung klappte nicht uebel, Virago sprach hervorragend deutsch, Mischa klasse slowakisch, und der Rest wurde mit Haenden, Fuessen, etwas englisch und gutem Willen ueberbrueckt. Nach anfaenglicher - gegenseitiger - Scheu kamen wir uns wirklich wunderbar naeher, es gab eigentlich keine Trennung von Slowaken und Deutschen - es war ne klasse Atmosphaere. Wir beteiligten uns am Aufpunpen des Bierfasses - ja, eine CO2-Flasche gab es nicht, der Druck auf dem Fass wurde durch eine Autoluftpumpe erzeugt - es gab mehr Schaum, weniger Bier und man blieb laenger nuechtern. Dagegen gabs allerdings ein bewaehrtes Mittel: die in nicht zu ueberschauender Menge herumgereichten Slivovic-Flaschen. Aus dieser Sache konnte ich mich allerdings von Anfang an durch Hinweis auf meinen Arzt (zugegeben, es war ne Notluege, aber sie wurde akzeptiert) heraushalten. Dafuer bekam ich immer als erster die vollen Bierbecher, gut, das liess sich bis zu einem gewissen Grad kontrollieren....
Am Nachmittag wurde das Wetter denn auch besser und es trafen immer mehr Leute mit Motorraedern ein. Dabei waren die wenigsten Moppeds wirklich aus dem Laden. Von den altbewaehrten Jawas, natuerlich entsprechend umgebaut, bis zum vollstaendigen Chopper-Eigenbau um einen Dominatot-Motor herum war alles vertreten. Die Dominator war wirklich ein absolutes Unikum, hatte noch einige Kinderkrankheiten, aber absolut top aufgebaut. Ein selbst eingeschweisstes Skoda-Hinterrad und viele Eigenbau-GFK-Teile. Allerdings war der Tank noch nicht ganz dicht, also musste der Sprit beim Abstellen staendig abgelassen und beim losfahren wieder aufgefuellt werden, eine Prozedur, die der Besitzen aber inzwischen perfekt beherrschte und die im Laufe des Nachmittags einige male praktiziert wurde. An der 250er Jawa wurde den ganzen Nachmittag an der Elektrik geschraubt, aus meiner Jawa-Zeit war mir das noch bestens bekannt, eigentlich konnten die Unterbrecherkontakte nie so richtig optimal eingestellt werden, nach spaetestens 100 km musste wieder nachjustiert werden.
Der grosse Platz war, wenn auch schlecht, asphaltiert, aber mit enorm viel Rollsplit verseucht. Ich war ehrlich gesagt froh gewesen, meine Kutsche abgestellt zu haben. Die Jungs heizten mit ihren Karren den ganzen Nachmittag auf diesem Platz herum, ohne Ruecksicht aufs Material. Virago sagte mir, dass die Fahrweise hier allgemein etwas verrueckter ist, einige ihrer Freunde hatten das schon mit dem Leben bezahlt, von den Motorradverlusten mal nicht zu reden.
Gegen 16 Uhr kam die erswte Maldung von Schulle: Slowakische Grenze in Sicht, eine Stunde spaeter: Poprad gleich erreicht. Woe, da hatte er nen guten Schnitt hingelegt. Von Poprad bis zum Partygelaende waren es gerade mal 20 km, ich trank also mein Bier aus und machte mich auf die Socken, um ihn von der E50 abzuholen. Ich konnte die Strasse ueber viele Kilometer gut uebersehen, aber es kam ewig kein Motorrad. Bis es hinter mir knatterte. bild Er war in halber Hoehe an den Bergen entlanggefahren und hinter mir die Strasse herunter gekommen. Egal, wir hatten uns 800 km entfernt von der Heimat auf den Punkt getroffen, nicht schlecht immerhin. Er war noch recht frisch und brannte darauf, Lonely zu beweisen, dass auch nach 800 km seine Konstitution so gut ist, ihn unter den Tisch zu trinken. Ich selbst hatte daran nie Zweifel gehegt, aber man kann sich seine Enttaeuschung schon vorstellen als er hoerte, dass Lonely bereits einen Tag vorher weitergefahren war. Sah in seinen Augen nach den grossen Spruechen von Lonely (SK-Forum :-)) im Vorfeld doch ein wenig nach Kapitulation aus.
Egal, ich hatte fuer ihn schon einige Becher vollaufen lassen und reserviert, und er war durch die Fahrt wohl auch extrem ausgetrocknet, wir mussten das Fass noch einige male aufpumpen und auch die Slivovic-Flaschen gingen nicht an ihm vorbei, die Arztausrede war ja schon vergeben .....
Im Laufe des Abends tauchten auch noch einige Leute vom Free Brothers MC aus dem benachbarten Presov auf, eine Gelegenheit, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln und ein paar neue Kontakte zu knuepfen.
Im Laufe des Abends ging auch noch ein paar mal der Hut herum, erst um die Kosten fuer eine Stripperin einzuholen, die auf dem Billardtisch eine nette Show auffuehrte, und irgendwann war dann auch das Fass alle .... Es war ne coole Party, alle verstanden sich praechtig und bis auf ein paar Sprachbarrieren, die im Laufe der Nacht immer geringer wurden, gab es keinerlei Probleme. Ausser vielleicht das Eis auf den Autos, es war inzwischen schweinekalt draussen geworden.
Gegen 5, langsam wurde es hell, zuckelten wir in unsere Zimmer, die wir erst gegen 10 wieder verliessen.


Sonntag, 23. Mai.

Im Laufe des Vormittags verkruemelte sich alles, den ganzen Restalkohol gesammelt - wahrscheinlich waere noch ein Fass voll geworden. Polizeikontrollen gabs aber wohl nicht - sicherheitshalber fuhren wir aber doch ueber Nebenstrassen zum Camp.
Virago und Mischka und Sylvie und Micha, die einen im Auto, die anderen auf ihrer Diplomaten-Dragstar, machten sich wieder auf den Weg nach Bratislava. Zuvor hatten wir uns allerdings noch fuer den kommenden Freitag verabredet, Sylvie und Micha hatten uns zu sich eingeladen, eine Nacht im Harley-Club in BA zu verbringen, Virago und Mischka wollten ebenfalls mitkommen. Am Samstag sollte es ja dann zum Elbetreffen nach Litomerice gehen.
bild Im Camp angekommen bauten wir erstmal das Basislager auf. Schulle hatte aus dem Preussenbiker-Vermoegen unsere Riesenplane vom letzten Jahr wieder mitgebracht, ich schob mein Zelt, was die letzte Nacht ohne mich verbringen musste, ein paar Meter weiter und wir hatten wieder mal ein klasse Camp.
Die V2-Traktoren hatten die entsprechenden Baumstaemme aus dem Wald gezerrt, ein stabiles Holzgestell war flott errichtet, und flugs waren wir wasserdicht. Nur eine neue Feuerstelle mussten wir anlegen, der unter der Plane vorhandene schwarze Fleck war zu nahe an den Zelten und haette arge Brandflecke verursachen koennen.
Als alles perfekt war musste unbedingt noch ein Kuehlschrank her. War zwar absolut unnoetig, wie sich in den naechsten Tagen noch herausstellen sollte .... aber wir hatte die Zeit und einen Klappspaten. Also buddelten wir direkt im Schatten unserer Fichte ein nettes Loch, 60 x 60 und Flaschentief. Schulle mit seinen riesigen Satteltaschen hatte fuer eine Komplettfuellung gesorgt, Grillgut war auch noch da und der Abend klang bei einem warmen Feuer und ein paar kuehlen Bierchen aus. Das warme Feuer war auch wirklich noetig, die Temperaturen waren wieder extrem in den Keller gegangen.





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